Die Zukunft des Notfallmanagements

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In welchem Zustand befinden sich Ihre Notfalldienste? Auf der Suche nach mehr Effizienz befinden Sie sich in guter Gesellschaft. Denn vor kurzem habe ich einen Beitrag über wichtige kommende Trends verfasst, die Organisationen im Auge behalten sollten, und wie sie darauf auf effektive Art und Weise reagieren können. Lesen Sie im Folgenden meinen Artikel, der im Magazin „Asia Pacific Fire“ erschienen ist.

Eine Reihe miteinander verbundener Trends gestalten derzeit die Zukunft der Notfalldienstlandschaft. Ihre Auswirkungen können variieren, aber der gemeinsame Nenner ist, dass sie häufig durch höhere gesellschaftliche Erwartungen und Bedenken angetrieben werden. Die Über-Vernetzung der Welt von heute ist ein genauso treibender Faktor wie der zunehmende Grad an globalen Störungen und globaler Unsicherheit.

Als Reaktion auf die Auswirkungen dieser Trends werden neue Verwaltungsstrukturen umgesetzt, die sicherstellen sollen, dass den Erwartungen von Öffentlichkeit und Regierung Rechnung getragen wird. Die politische Richtung wird durch diese neuen Strukturen beeinflusst, die wiederum neue Tauglichkeitsanforderungen mit sich bringen, um die Umsetzung von Richtlinien zu erleichtern.

Trend 1: Zunehmende Komplexität der Einsatzumgebungen

Nicht nur der Bedarf an Notfalldiensten nimmt von Jahr zu Jahr zu. Auch die Umgebungen, in denen unsere Notfalldienste zum Einsatz kommen, werden immer komplexer. Die bereits hohen Erwartungen der Öffentlichkeit wachsen stetig. Im Zuge der Entwicklung des Internets der Dinge (IoT) und der mittlerweile allgegenwärtigen sozialen Medien werden mehr Daten als je zuvor von einer Vielzahl von Quellen konsumiert. Notfalldienstorganisationen kämpfen mit umfangreichen Datenmengen und haben Probleme, „das Signal vom Rauschen zu trennen“. Herkömmliche computergestützte Dispositionssysteme (CAD) leisten für die Öffentlichkeit zwar gute Dienste, verfügen aber häufig nur über eingeschränkte Möglichkeiten, diese enormen Mengen an Informationen zu interpretieren, und in vielen Fällen übersteigt die Komplexität der Einsatzumgebungen bereits die Entscheidungsfähigkeit des Menschen. Zur Verwaltung dieser Datensättigung setzen führende Organisationen bereits Funktionen zur erweiterten Entscheidungsunterstützung ein, die das Potenzial von Predictive und Prescriptive Analytics nutzen. Solche Lösungen bieten eine Möglichkeit, die jeweilige Einsatzumgebung zu verstehen, und versetzen Entscheidungsträger in die bestmögliche Position, unseren Ersthelfern die Basis für einen erfolgreichen Einsatz zu liefern, während die Konformität sichergestellt und die Überprüfbarkeit ermöglicht wird.

Ein Beispiel aus der Praxis in Bezug auf die Komplexität der Einsatzumgebung findet sich in Melbourne, Australien, am 21. November 2016. Es wurden Gewitter für das Ballungsgebiet vorhergesagt, es wurde jedoch nicht erwartet, dass bei dieser Situation ein großer Gesundheitsnotfall ausgelöst werden würde. Wie in der Untersuchung der Reaktion auf das durch das Gewitter ausgelöste Asthma-Ereignis vom 21. bis 22. November 2016 dargestellt wird (Generalinspekteur für das Notfallmanagement), kam es um ca. 18.00 Uhr des betreffenden Abends zu einem rapiden Anstieg der Notrufe, überwiegend zu Atemwegserkrankungen. Die Anzahl der Notrufe, die zur Spitzenzeit des Ereignisses protokolliert wurden, stellte einen Anstieg von 593 % gegenüber dem prognostizierten Anrufvolumen dar. Um die Einsätze zu koordinieren, mussten die Entscheidungsträger mehrere Faktoren berücksichtigen, einschließlich Überstundenvereinbarungen, Umverteilung von Ressourcen basierend auf dem Bedarf, Einsatz von mehrfach qualifizierten Mitarbeitern, Rückberufung von Mitarbeitern aus Arbeitspausen, Aufschub von Arbeitspausen und Ermüdung der Mitarbeiter. Mit steigender Anzahl der Notrufe wurden die Ressourcen zunehmend knapper und konnten vielen der neuen Fälle nicht sofort nachkommen.

Trend 2: Öffentlich-private Partnerschaften

Wie bereits von Branchenführer Bob Jensen (Senior Managing Director bei Strat3 LLC) erkannt wurde, ist ein weiterer wichtiger Trend im Notfallmanagement die Verschiebung weg von einem staatlich-zentrierten Ansatz hin zu einem auf den Überlebenden gerichteten Ansatz und die Einrichtung von öffentlich-privaten Partnerschaften. Der Aufbau von Notfallkapazitäten wurde einst als die alleinige Verantwortung des öffentlichen Sektors betrachtet. Dieses Modell wird mittlerweile aber in Frage gestellt. Unternehmen aus dem privaten Sektor, Nichtregierungsorganisationen (NRO) und Gruppen in lokalen Gemeinschaften gehen Partnerschaften mit öffentlich-rechtlichen Organisationen ein, um Erkenntnisse und Wissen auszutauschen und eine bestmögliche Notfallmanagement-Reaktion zu ermöglichen.

Kapazitäten können auf unterschiedliche Weise entwickelt werden, aber häufig ist das Zusammenarbeitsmodell einer öffentlich-privaten Partnerschaft die optimale Herangehensweise. Vor, während und nach einem Notfallereignis sollten öffentlich-rechtliche Organisationen idealerweise im Einklang mit Unternehmen und gemeinnützigen Gesellschaften/NROs arbeiten. Partnerschaftsvereinbarungen können manchmal formalisiert werden, aber in bestimmten Fällen sind informelle Vereinbarungen oder Absichtserklärungen ausreichend, um einen Rahmen zwischen den Sektoren zu schaffen.

Trend 3: Öffentliche Nachfrage nach freiem Zugang und Gleichmäßigkeit

Feuerwehr, Polizei, staatliche Notdienste und Rettungsdienstpersonal sind heute in der Öffentlichkeit sichtbarer denn je. Die Art der Ereignisse, auf die Notfalldienste reagieren müssen, wird zunehmend gefährlicher und stellt neue Herausforderungen in Bezug auf Sicherheit und Konformität. Zeitgleich steigt die Erwartung der Öffentlichkeit an unsere Notfalldienste. Mit dieser gesteigerten Erwartungshaltung geht eine größere Nachfrage nach freiem Zugang und Gleichmäßigkeit einher. Die Folgerung ist, dass Organisationen nach größerer Konformität als je zuvor streben und diese auch erzielen müssen.

Die Einhaltung eines regelbasierten Rahmens für die Entscheidungsfindung wird von vielen Meinungsführern als Grundvoraussetzung für die Konformität von Organisationen gesehen. Ein solcher Rahmen kann bei der Entscheidungsfindung herangezogen werden und seine Werte sollten idealerweise die Kultur einer Organisation durchdringen und untermauern.

Um einen regelbasierten Rahmen für die Entscheidungsfindung gründlich umzusetzen, muss eine Technologielösung verwendet werden, um Transparenz und Überprüfbarkeit sowie ein Mittel zum Messen der Konformität zu bieten.

Auf dieser Lösung können Kommunikationsstrategien erstellt werden, die wiederum eine klare und offene gegenseitige Kommunikation mit dem wichtigsten Akteur einer Notfalldienstorganisation – der Gemeinschaft, deren Schutz sie sich verpflichtet hat – ermöglichen.

Im Gegensatz dazu wird die Gemeinschaft von Notfalldienstorganisationen zunehmend nicht nur als Akteur betrachtet. Zukunftsorientierte Organisationen sehen die Gemeinschaft als eine Ressource und einen integralen Bestandteil bei der Durchführung eines erfolgreichen Notfalleinsatzes. Beispiel: Die von den Mitgliedern der Öffentlichkeit generierten Daten in den diversen sozialen Medien können genutzt werden, um Entscheidungsträgern unmittelbares Feedback zu den Vorfällen vor Ort zu liefern. Dank des technologischen Fortschritts kann eine Situation visualisiert werden, bevor die Ersthelfer am Notfallort eintreffen.

Trend 4: Erfahrung von störenden und traumatischen Ereignissen

Aufgrund von Bevölkerungswachstum und demographischem Wandel (alternde Bevölkerung, Verstädterung) verschärft sich die Nettoauswirkung auf den wachsenden Bedarf an Notfalldiensten. Mit wachsendem Bedarf steigt auch die Regelmäßigkeit, mit der Ersthelfer sich mit traumatischen Ereignissen auseinandersetzen müssen. Die wiederholte Erfahrung solcher Traumata setzt Ersthelfer einem höheren Risiko von seelischen Schäden aus. In „The Erosive Stress Pathway“ (Tuckey 2007) wird beschrieben, wie eine Person, die sich ständig zwischen der Erfahrung von traumatischen Ereignissen beim Einsatz und negativen Erfahrungen in der Organisation befindet, dem hohen Risiko ausgesetzt ist, im Laufe der Zeit seelische Schäden davon zu tragen.

Obwohl ein gewisses Maß an Traumata untrennbar mit der Arbeit, die unsere Notfalldienste leisten, verbunden ist, ist es doch möglich, das seelische Risiko zu mindern, indem ein Risikomanagementprotokoll zu Ermüdungserscheinungen umgesetzt wird. Ein solcher Ansatz sorgt dafür, dass gefährdete Mitarbeiter vor Schichtbeginn bewertet und risikomindernde Schutzmaßnahmen eingesetzt werden, um diese Mitarbeiter proaktiv zu unterstützen. Es ist ebenfalls erwähnenswert, dass ein Risikomanagementprotokoll zu Ermüdungserscheinungen dazu verwendet werden kann, die Rückkehr an den Arbeitsplatz von Mitarbeitern, die seelische oder körperliche Verletzungen erlitten haben, zu erleichtern und zu verwalten.

Risikomanagementprotokolle zu Ermüdungserscheinungen werden häufig in sicherheitskritischen Branchen wie in der Luftfahrt eingesetzt. Die Erkenntnisse aus diesen Branchen werden mittlerweile von Feuerwehr, Polizei, staatlichen Notdiensten und Rettungsdienstpersonal übernommen und angepasst, um das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter zu gewährleisten und Gefahren durch Ermüdung zu mindern.

Fallstudie: Airservices Australia

Airservices Australia ist Australiens Flugsicherungsorganisation. Die Organisation bietet eine sichere, effiziente und umweltbewusste Flugsicherung sowie Rettungs- und Feuerlöschdienste für die Luftfahrtbranche in Australien. Airservices Australia stellt Flugsicherungsdienste mithilfe moderner und integrierter Systeme bereit. Quintiq ist eine der Enterprise-Plattformen, die dabei zum Einsatz kommen.

Airservices Australia ging zum ersten Mal eine Partnerschaft mit Quintiq im Jahr 2009 ein, um eine Lösung umzusetzen, die die Ressourcenzuweisung und Entscheidungsunterstützung im Zusammenhang mit der Flugsicherung erleichtern sollte.

Im April 2013 führte die australische Civil Aviation Safety Authority (CASA) neue Ermüdungsvorschriften für Bedienpersonal und Piloten ein. Ein Ermüdungsrisikomanagement-System (FRMS, Fatigue Risk Management System) wurde entwickelt, um eine flexible Einsatzumgebung zu schaffen, in der auf potenzielle Ermüdungsrisiken hingewiesen werden konnte und diese verwaltet werden konnten. FRMS ist ein aktiv verwalteter Prozess, bei dem das Bedienpersonal Ermüdungsrisiken frühzeitig erkennt und Maßnahmen ergreift und die Systeme entsprechend anpasst, um sicherzustellen, dass mögliche damit verbundene Gefahren verwaltet werden. Quintiq bietet erstklassige Funktionen für die vollständige Einhaltung des FRMS durch Airservices Australia.

Ab dem Jahr 2017 werden die etablierten Quintiq-Funktionen auf die Rettungs- und Feuerlöschdienste für die Luftfahrtbranche ausgeweitet.

„Dieses neue Tool leistet großartige Dienste bei unserer Entscheidungsfindung rund um die Risiken in Zusammenhang mit Ermüdungserscheinungen und deren Management“, so Jason Harfield, Chief Executive Officer, Airservices Australia.

Lesen Sie den vollständigen Artikel zur Transformation von Airservices Australia hier.

Benötigen Sie weitere Informationen, wie Sie das Management Ihrer Notfalldienste verbessern können?  Hier finden Sie einen Einstieg.

Dieser Artikel erschien ursprünglich im Magazin Asia Pacific Fire.

Kevin Moran

Über Kevin Moran

Kevin Moran is a senior consultant with Quintiq with a primary focus on public safety and policing. He has a keen interest in the process-driven utilization of technology in supporting organizational and community development initiatives. Prior to joining Quintiq, Kevin spent over 10 years in technology consulting, working across the public and private sectors in Europe, Australia and North America.

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