Die Zukunft der ÖPV-Technologie von der APTA Rail Conference

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Der öffentliche Personennahverkehr in den USA ist in einer einzigartigen Position. Die demographischen Strukturen verändern sich in den amerikanischen Städten und damit steigt die Nachfrage nach Nahverkehrsangeboten. Wachsende Altersgruppen, wie die Millennials, streben immer weniger ein eigenes Auto an und bevorzugen Wohngegenden, in denen alles fußläufig zu erreichen ist, was bedeutet, dass die Verkehrsunternehmen eine stärkere Nachfrage nach umfassenderen Leistungen erfahren. Zugleich legen die politischen Entscheidungsträger ein größeres Gewicht auf die Mobilität für benachteiligte Gebiete, indem sie isolierte Gemeinden durch einen besseren Zugang zu Verkehrsmitteln anbinden wollen.

Gleichzeitig sind die Bahnunternehmen – die traditionell mit der Einführung neuer Technologien immer hinterher hinkten – dabei, ihre alten Informationssysteme zu erneuern, ihre Prozesse zu verschlanken und in moderne Standards, wie WiFi und digitale Kommunikation, zu investieren, um ihre Effizienz zu steigern.

Vergangenen Monat hatte ich die Gelegenheit, an der Rail Conference des American Public Transportation Association (Amerikanischen Verbands für Öffentliches Verkehrswesen, APTA) teilzunehmen. Der APTA ist der renommierteste Verband für den öffentlichen Personenverkehr in den USA und die Veranstaltung brachte die unterschiedlichsten Verkehrsgesellschaften zusammen: von Verkehrsverbünden in einigen der größten Städte der USA bis hin zu kleineren Unternehmen mit nur wenigen Stadtbahnstrecken. Im Folgenden habe ich die Kernpunkte der Veranstaltung für Sie zusammengefasst:

Investitionen in Mobillösungen rentieren sich für die Fahrgäste und die Mitarbeiter gleichermaßen

Da die öffentlichen Verkehrsunternehmen in den kommenden Jahren mit einem Fachkräftemangel rechnen, wird es wichtig sein, die Präferenzen und Erwartungen der neuen Generation junger Arbeitskräfte zu berücksichtigen. Das heißt, der Weg muss von Arbeitszeitnachweisen, Schichtplänen und Fahrscheinen in Papierform weg hin in das neue, mobile, digitale Zeitalter führen.

Für große Verkehrsunternehmen wie NJ Transit, das den am dichtesten besiedelten US-Bundesstaat versorgt, bedeutet das, dass in WiFi an Bord der Züge investiert werden muss, damit die Zugbegleiter die Tickets mit einem Mobilgerät scannen können. Die Kostenrechnung für WiFi ergab, dass die Anschaffung von WiFi tatsächlich kostengünstiger als die Entgelte für Mobilfunkdienste ist und zudem sowohl für die Mitarbeiter von NJ Transit als auch für die Fahrgäste einen moderneren Komfort bietet.

Dieser Wandel der Mobilität wird den Bahnunternehmen in den kommenden Jahren neue Möglichkeiten des Fahrpersonalmanagements eröffnen. Wichtige Mitarbeiterinformationen, wie verfügbare Schichten und Wunschstrecken, Pläne sowie Mitteilungen über Verspätungen und Zugänderungen, können direkt per Push-Benachrichtigung an die Geräte der Mitarbeiter gesendet werden, wodurch sich sowohl die Effizienz als auch die Mitarbeiterzufriedenheit verbessert. Es lohnt sich, diesen Trend im Auge zu behalten, da die Betonung der Mitarbeiterzufriedenheit zur neuen Normalität für die nächste Generation der Bahnmitarbeiter wird.

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Integration von Fahrgemeinschaften für die „letzte Meile”

Bahnunternehmen stehen seit Langem vor einer Herausforderung, die vielen in der Einzelhandels- oder Logistikbranche nur allzu bekannt ist: Die „letzten Meilen” der Lieferung sind oftmals die schwierigsten – und die teuersten.

Fahrgäste ans Ziel zu bringen ist zwar nicht dasselbe wie Waren ans Ziel zu bringen, aber die damit verbundenen Logistik- und Kostenherausforderungen unterscheiden sich im Wesentlichen nicht. Die Erweiterung eines Verkehrsangebots, wie z. B. einer Busstrecke, ist teuer und wird möglicherweise nicht hinreichend nachgefragt, dass es sich lohnt. Ebenso sind spezielle Paratransit- oder Shuttle-Dienste extrem teuer.

Aus diesem Grund lösen die Verkehrsunternehmen die Herausforderung der Beförderung auf der „letzten Meile” durch Partnerschaften mit gängigen Mitfahrdiensten wie Uber und Lyft, um Fahrten vergünstigt oder subventioniert von und zu den Haltestellen anbieten zu können. Dadurch können nicht nur öffentliche Verkehrsmittel besser von denjenigen genutzt werden, die keine Anbindung an eine Haltestelle haben, sondern die Verkehrsunternehmen auch im Vergleich zu alternativen Paratransit-Diensten erheblich sparen.

Die SEPTA, die ÖPNV-Gesellschaft im Großraum Philadelphia, gab vor Kurzem ein Pilotprojekt bekannt, das Fahrgäste an den am stärksten frequentieren Haltestellen mit vergünstigten Fahrten nach und von zu Hause zusammenbringt. NJ Transit, das für den öffentlichen Personenverkehr in New Jersey und einen Großteil des Pendlerverkehrs nach New York City verantwortlich ist, erklärte auf der APTA Rail Conference, dass das Verkehrsunternehmen daran arbeite, Uber direkt in seine mobile Ticket- und Fahrplan-App zu integrieren, indem es einen subventionierten Tarif für eine Strecke von bis zu 4 Meilen anbietet.

Mehr Effizienz durch integrierte Betriebstechnologie

Die Hinwendung zu einem integrierten Betriebsmodell zog sich wie ein roter Faden durch eine Reihe von APTA Rail Conference-Veranstaltungen, bei denen das Thema „Betrieb” im Mittelpunkt stand. Angesichts expandierender Betriebsleitzentralen (OCCs) arbeiten die Verkehrsunternehmen aktiv daran, integrierte Betriebsmodelle in die Praxis umzusetzen. Dabei gehen sie sogar so weit, brandneue OCCs zu entwickeln, die buchstäblich die Mauern zwischen den Fachbereichen einreißen, um die Effizienz, Kommunikation und Reaktionsfähigkeit im Falle von Störungen am Tag der Ausführung zu verbessern.

Da viele ÖPV-Unternehmen bestrebt sind, ihre Netze auszubauen oder neue Verkehrsmittel, wie z. B. Stadtbahnen, einzusetzen, wird es zunehmend wichtig, die Effizienz und Integration von Planungsentscheidungen zu verbessern, damit die Kunden auch weiterhin der Dreh- und Angelpunkt der Planung bleiben. So müssen die Fahrpläne aufeinander abgestimmt, die Fahrzeuge effizient eingesetzt und die Fahrpersonalpläne regelkonform gestaltet werden, um die Betriebskosten niedrig zu halten und um zu gewährleisten, dass die Kunden ihr Ziel pünktlich erreichen. Die verstärkte Nutzung verschiedener Verkehrsmittel erhöht die Komplexität der Betreibernetze und verstärkt wesentlich die Bedeutung der integrierten Planung für die Realisierung der Betriebsziele.

Wie können öffentliche Verkehrsunternehmen die Effizienz steigern und auf Störungen reagieren? Erfahren Sie mehr über die integrierte Planungsplattform von Quintiq.

Dieser Blogbeitrag wurde ursprünglich auf LinkedIn veröffentlicht.

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