FLEXible Planung: Ist das neueste Lieferdienstmodell von Amazon hinreichend flexibel?

A woman is horrified by a large stack of parcels by Amazon.com in different sizes waiting in front of the entrance door to her flat.

Während ich heute in Paris im Kaffeebereich der Post-Expo 2015, einer dreitägigen Messe und Konferenz für Post-, Kurier- und Expresszustelldienste, sitze, lese ich vom Start von Amazon Flex – dem Uber-ähnlichen Dienst für Paketlieferungen am selben Tag. Perfektes Timing, schießt es einem da durch den Kopf – die Nachricht sorgt hier wirklich für großes Aufsehen.

Die Idee des Crowdsourcing gibt es ja schon eine ganze Weile. In den Bereichen Personenbeförderung (Uber und Lyft), Kurzzeitvermietung von Unterkünften (Airbnb) und Handel (eBay) ist sie bereits gang und gäbe. Dieses Modell nun auf das Same-Day-Delivery-Konzept des E-Commerce anzuwenden, scheint überaus sinnvoll.

Wenn die Fahrer in London dafür, dass sie in der Nähe des London Eye im Verkehr feststecken, mit einem Stundenlohn von 30 GBP zufrieden sind (verglichen mit einem normalen Taxitarif von 70 GBP), warum sollten sie dann nicht bereit sein, ebenso viel für die Auslieferung von Amazon-Paketen zu verdienen?

Trotzdem sehe ich drei mögliche Probleme bei Amazon Flex:

  1. Größenordnung – Die Kosten für eine Crowdsourcing-Lieferung von 20$ sind nur dann wirtschaftlich sinnvoll, wenn ein Fahrer mehrere Pakete gleichzeitig befördern kann. Fünf Lieferungen in einer Stunde könnten Amazons Kosten auf 4$ pro Paket senken, was ein guter Preis ist. Liefert ein Kurier aber nur ein Paket pro Stunde aus, sieht der Preis schon nicht mehr so gut aus. Ein kritischer Erfolgsfaktor bliebe also die Konsolidierung.
  2. Dichte der Städte – Derzeit läuft das Pilotprojekt zwar nur in Seattle, doch später wird Flex auf andere Großstädte ausgeweitet, wo Verkehrsbehinderungen die Norm und nicht die Ausnahme sind. Die Fahrer werden permanent die Rentabilitätsschwelle erreichen müssen (an der der Wert im Verkehr festzusitzen höher ist als den Auftrag überhaupt nicht anzunehmen).
  3. Der Zorn der Expressdienstleister – Ganz offensichtlich wird der neue Dienst direkt in Konkurrenz mit den Expressdienstleistern stehen, die Amazon bei den „regulären” Lieferungen unterstützen, nämlich UPS und FedEx. Wie werden diese wohl reagieren, wenn sie sehen, dass ihr größter Kunde ihre Arbeit per Crowdsourcing an weniger qualifizierte Expresslogistikdienstleister vergibt

Als Leiter der Business Unit Logistik bei Quintiq bin ich wirklich gespannt darauf zu sehen, wie es mit dem neuen Dienst weitergeht. Und da wir davon überzeugt sind, dass Lieferungen am selben Tag ein rentables Angebot sein können, empfehlen wir Ihnen, unser neuestes Webinar zu diesem Thema anzusehen: Same-day delivery: Shaping the customer experience.

Dieser Blogbeitrag wurde ursprünglich auf LinkedIn veröffentlicht.

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