Integrierte Produktions- und Logistikplanung – Möglich oder Utopie?

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Die Antwort lautet ganz klar, ja es ist möglich! Mit der Integration von Produktion und Logistik können Sie Ihre Lieferperformance steigern, Transportkosten senken und die Auslastung Ihrer Produktionsressourcen verbessern. Aber warum leiden Hersteller genau in diesen Bereichen immer noch unter voneinander getrennten Entscheidungsprozessen? Das lässt sich gut anhand des Beispiels eines Tierfutterherstellers verdeutlichen. Erfahren Sie wie sie ähnliche Herausforderungen bei Ihrer eigenen Planung überwinden können.

Warum die Tierfutter-Planung nicht einfach ist

Die Qualität der Futtermittel spielt über die gesamte Nutztier- und landwirtschaftliche Lieferkette hinweg eine wichtige Rolle im Prozess zur Sicherstellung der Fleischqualität für die Verbraucher. Tierfutterhersteller benötigen ein genaues Verständnis über den Ernährungsbedarf von Nutztieren. Dieser kann durch natürliche Weidefutter oder Futtermittel oder durch ergänzende Nährstoffe in konzentrierter Form gedeckt werden. Diese Konzentrate werden in Form von Mehl, Pellets oder Granulaten hergestellt. Futterhersteller kaufen Rohstoffe ein und mischen sie in der Futtermühle nach den Vorgaben der Tierernährungswissenschaftler.

Tierfutterhersteller müssen ihre Prozesse an der täglichen Praxis des Landwirts, vor allem an den Fütterungsplänen ausrichten. Von den Tierfutterherstellern werden zuverlässige Lieferfähigkeit und kurze Lieferzeiten erwartet. Wenn einem Landwirt das Futter für seinen Viehbestand ausgeht, wird sofort Nachschub benötigt. Daher müssen Tierfutterhersteller in der Lage sein, die Planung schnell zu ändern, um die Erwartungen zu erfüllen.

Wenn große Hersteller allerdings mehr als 500 Bestellungen pro Tag erhalten, erhöht das die Komplexität beim Erstellen eines optimalen Produktions- und Transportplans beträchtlich.

Leider ist es in der Futtermittelindustrie – wie in anderen Branchen auch – immer noch gängige Praxis, Produktions- und Logistikprozesse unabhängig voneinander zu planen. Daher verfügen Planer nur über einen eingeschränkten Blick über die gesamte Lieferkette hinweg und können die Folgen ihrer Planungsentscheidungen entsprechend nicht immer vorhersehen. Bei der Auftragsfertigung (Make-to-Order-Prozess) sind Transparenz und Rückverfolgbarkeit von der Auftragsannahme bis zur Lieferung sehr wichtig.

Die komplexe Lieferkette der Branche

Futtermittelhersteller haben in der Regel verschiedene Produktionsstätten, die über mehrere Länder verteilt sind. In einigen produzieren sie Futter für Fleischrinder, in anderen Geflügel- oder Schweinefutter. Die Fertigprodukte werden häufig mit Lkws ausgeliefert. Um effizient zu sein, müssen bestimmte Entfernungen und diverse Vorschriften berücksichtigt werden, z.B. kann nicht jeder Kunde mit jeder Art von Lkw angefahren werden, und einige Lkws haben unterschiedliche Abteile und können 8 – 12 verschiedene Produkte transportieren.

Ebenso sind verschiedene Optionen zu prüfen, z.B., ob der Hersteller seine eigenen Lkws einsetzt oder den Transport für bestimmte Routen auslagert. Wenn ein Lieferort weit entfernt ist, kann das Outsourcen Kosten sparen, da der Lkw nicht zum Werk zurückkehren muss. Auch verfügt der Hersteller durch die Auslagerung über zusätzliche Kapazitäten für Spitzenzeiten.

Als nächstes kommt die Planung der Produktion, die mit dem Mahlen und Dosieren der Rohstoffe für die Körner beginnt. Der zweite Schritt besteht darin, die Körner auf einer Pelletieranlage zu Pellets oder Granulat zu pressen. Obwohl einige Standorte wahrscheinlich über Pellettieranlagen verfügen, sind diese oft spezialisiert und können nicht jedes Produkt verarbeiten.

Eine weitere Einschränkung ist die Reinigung der Anlagen zwischen der Herstellung verschiedener Produkte zur Vermeidung von Kontaminationen. Bei der Aufteilung von Bestellungen und der Produktion von einem Produkt nach dem anderen, müssen Planer darauf achten, Reinigungszeiten zu berücksichtigen und nach Möglichkeit zu vermeiden, da diese viel Zeit kosten.

Die Nachfrage variiert im Laufe der Woche. Zum Wochenbeginn können wenige Bestellungen vorliegen, die Hersteller müssen aber dennoch mit voller Kapazitätsauslastung produzieren, damit sie in der Lage sind, größere Aufträge zu erfüllen, die später in der Woche eingehen. Daher sind Entscheidungen darüber zu treffen, welche Produkte auf Lager produziert, wie diese auf Silos verteilt werden und wie hoch die Auffüllmenge und die gewünschten Lagerbestände sein sollen.

In einem Lagerhaus ist zusätzlicher Platz gleichbedeutend mit zusätzlicher Lagerkapazität. In einem Silo ist dies nicht unbedingt der Fall. Für die Aufnahme eines anderen Produkts müssen Futtermittelhersteller das Silo zunächst leeren und oft auch reinigen.

Auftragserfüllung sicherstellen und Lieferperformance erhöhen

Die Herausforderung für die Planer besteht darin, zu entscheiden, welche Produkte sofort verfügbar sind und wann der Lagerbestand produziert werden sollten. Zwischen den Produktions- und Transportplanern ist eine enge Zusammenarbeit erforderlich, um festzulegen, wann ein Lkw verfügbar sein muss. Kommt ein Lkw zu spät, muss die Produktion stoppen, da kein Lagerraum für das Produkt verfügbar ist. Produktionsanlagen müssen basierend auf dem Auftragsvolumen effizient genutzt werden. Obwohl sie zwischen 100 bis 200 Wochenstunden produzieren, haben die Hersteller oft nur genügend Lagerbestand für einen Tag. Addiert man die Anzahl der verfügbaren Lkws, sowie die Anzahl der Lieferorte und Verladestraßen, steigt die Zahl der möglichen Szenarien schnell an.

Da Produktion und Transport eng miteinander vernetzt sind, ist es nicht möglich, einen Transportplan zu erstellen, ohne die Produktion zu berücksichtigen und umgekehrt. Ein Transportplan, der plausibel aussieht, kann oft undurchführbar sein, weil es nicht möglich oder sehr ineffizient ist, in dieser Sequenz zu produzieren. Um kurze Lieferzeiten sicherzustellen, müssen Planer Produktion und Transport als Einheit betrachten.

Eine integrierte Produktions- und Logistikplanung ist wesentlich, wenn es darum geht, die Lieferperformance und die Kundenzufriedenheit zu erhöhen.

Logistik und Produktion kombinieren

Die Agilität der Lieferkette entscheidet darüber, ob ein Unternehmen wettbewerbs- und damit zukunftsfähig ist oder nicht. Aufgrund der Vielzahl der Faktoren (verfügbare Lkws, Lieferorte, Verladestraßen, unterschiedliche Bestellungen) sowie der Wahrscheinlichkeit des Auftretens von plötzlich eintretenden Störungen, kann dies nicht allein in der Verantwortung von menschlichen Planern liegen. Um diese Tausende, sogar Millionen von Möglichkeiten einschließlich ihrer Konsequenzen überblicken zu können, brauchen Planer die Unterstützung einer intelligenten Planungstechnologie – Algorithmen, welche es ermöglichen, einen neuen Plan mit einem Klick auf den Knopf  „Optimieren“ zu generieren.

Mehr und mehr Hersteller verlassen sich auf die richtige Softwarelösung, um einen optimierten Plan zu erstellen, der auf der Abwägung folgender Faktoren beruht:

  • Anlieferung bei den Kunden innerhalb der richtigen Zeitfenster,
  • Auftrags- oder Lagerfertigung (Make-to-Order vs. Make-to-Stock),
  • Lagerbestände und Auffüllmengen,
  • Umstellungen, Umrüstzeiten und Reinigungen innerhalb der Produktion.

Mit der richtigen Softwarelösung können Ihre Planer Optimierungsparameter modifizieren, was es ihnen ermöglicht, auf unerwartete Situationen zu reagieren und ihre Pläne den geänderten Bedingungen anzupassen. Die Reaktionsfähigkeit ist der Schlüssel zum Erfolg, da Änderungen im Produktionsplan schnell in die Logistikpläne und umgekehrt übertragen werden können. Ihre Planer werden so in der Lage sein, die Auswirkung dieser Änderungen auf ihre  Kennzahlen (KPIs) zu sehen, was es ihnen ermöglicht, bessere Entscheidungen zu treffen. Die Softwarelösung sollte so ausgelegt sein, dass sie Ihnen volle Kontrolle und Transparenz bietet.

Möchten Sie mehr erfahren? Besuchen Sie uns auf dem Manufacturing Leaders Forum in Prague oder unseren kommenden Quintiq World Tour Veranstaltungen und diskutieren Sie Ihre Planungsprobleme mit unseren Lieferketten-Experten.

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