Störungen im Schienenverkehr ganz einfach beheben

Managing rail disruptions the easy wayWenn Sie bei dieser Überschrift lachen, nehme ich Ihnen das nicht übel. Störungen im Schienenverkehr sind alles andere als ganz einfach zu beheben.

Aber es gibt hierfür eine einfache Lösung. Eine einfache Lösung, wohlgemerkt – keine simple. Denn es gibt keine simplen Lösungen für Störungen im Schienenverkehr und wenn ich Ihnen mit diesem Beitrag eines vermitteln möchte, dann folgendes: Hüten Sie sich vor simplen Lösungen für höchstkomplexe Probleme.

Wie komplex ist eine Störung im Schienenverkehr überhaupt?

Wie wir alle wissen, ist es unglaublich schwierig, Störungen im Schienenverkehr schnell zu beheben. Innerhalb weniger Minuten müssen die zuständigen Planer einen provisorischen Plan erstellen, mit dem:

  • die Unannehmlichkeiten für die Fahrgäste möglichst gering gehalten werden.
  • die für die Störungsbehebung vorgesehene Zeit so kurz wie möglich ausfällt, damit der Normalbetrieb schnellstmöglich wieder aufgenommen werden kann.
  • die Betriebskosten (bei ansonsten gleichen Bedingungen) so gering wie möglich gehalten werden.

Was müssen die Planer in diesem Fall berücksichtigen?

Wie sich zeigt: jede Menge.

Unter anderem müssen die Planer folgende Aspekte berücksichtigen:

  • Die voraussichtlichen Fahrgastströme: Wo befinden sich die Fahrgäste und wohin reisen sie?
  • Der Standort der Schienenfahrzeuge: Wie lassen sich die Schienenfahrzeuge bestmöglich einsetzen, um diese Fahrgastströme bewältigen zu können und zugleich zu vermeiden, dass am Ende der Fahrt keine erneute Einsatzmöglichkeit besteht?
  • Arbeitszeitbestimmungen, die für das Zugpersonal gelten: Wo befindet sich das Zugpersonal? Lässt sich die Rückkehr zum Ausgangsort so organisieren, dass die richtigen Mitarbeiter zur richtigen Zeit wieder dort sind, wo sie benötigt werden? Werden die Aufgaben so verteilt, dass sowohl Überlastungen als auch freie Kapazitäten vermieden werden?

Der Zeitdruck ist enorm. Den Planern ist sehr wohl bewusst, dass sich die Störung, während sie an einer Lösung basteln, lawinenartig und unaufhaltsam zu einem schwerwiegenden Störfall entwickelt.

Warum man die Komplexität nicht ignorieren kann

Weil das einfach nicht möglich ist.

Neben der Komplexität besteht – unweigerlich – ein hohes Maß an Ungewissheit. Ein Beispiel: Die Störung kann durchaus länger anhalten als erwartet und einen Dominoeffekt für die neu eingeteilten Zugmitarbeiter und Schienenfahrzeuge haben. Das bedeutet, dass die Planer auch Mühe haben, robuste Pläne zu erstellen, die Ungewissheiten berücksichtigen und ihnen die Flexibilität geben, die sie brauchen, um auf weitere Entwicklungen reagieren zu können. Werden keine Reserven eingebaut, besteht bei jeder “Lösung” die Gefahr, dass weitere Störungen entstehen.

Trotz der Komplexität von Störungen im Schienenverkehr und der damit verbundenen Ungewissheit versuchen viele Bahnunternehmen noch immer, mit simplen Lösungen zum Ziel zu kommen.

Einige der üblichen Verdächtigen sind:

(1) Puffer einbauen

Es ist möglich, sich für Störungen zu wappnen, indem mehr Ressourcen eingesetzt werden als tatsächlich benötigt werden. So kann man beispielsweise das Zugpersonal verstärken und zusätzliche Schienenfahrzeuge über das Schienennetz verteilt vorhalten.

Das Urteil: eine ineffiziente und kostspielige Lösung. Bei den meisten Schienennetzbetreibern schließt sich diese Möglichkeit allein schon wegen der Dichte ihres Schienennetzes aus.

2) Störungen manuell beheben

Die kaum zu überblickende Anzahl an Szenarien, die es zu erstellen und auszuwerten gilt, kommt Schach auf hohem Niveau gleich. Menschliche Planer sind schlichtweg nicht dazu in der Lage, schnell und durchgängig mindestens sechs Züge vorauszudenken.

Das Urteil: keine realistische Option es sei denn, Sie sind bereit, lange Störungsbehebungszeiten und hohe Kosten hinzunehmen.

3) Fixe Lösungen vorhalten

Hier wird vorausgesetzt, dass es möglich ist, verschiedene Szenarien vorzudefinieren und eine fixe Lösung aus der Schublade zu holen, wenn eine bestimmte Situation eintritt.

Das erinnert auch wieder an Schach. Bei dieser “Lösung” ist es so als hoffte man, ein Schachspiel mit vorgeplanten Szenarien für jede denkbare Situation auf dem Brett zu gewinnen. Es gibt Myriaden möglicher Szenarien. Wo befinden sich die Schienenfahrzeuge? Wo befindet sich das Zugpersonal? Wie verhält es sich genau mit der Streckenverfügbarkeit und den Fahrgastströmen? Wie wirken sich die unternehmensspezifischen Regeln und die geltenden Arbeitszeitbestimmungen auf die möglichen Lösungen aus?

Das Urteil: Dann mal viel Glück. Wenn das Leben oder auch nur eine Störung im Schienenverkehr nur so einfach wäre.

Der einfache Weg – jawohl, es gibt einen

Anstatt fixe Lösungen für Myriaden von Situationen vorzudefinieren, legt eine intelligente Planung und Optimierung Ihre Geschäftsregeln und -restriktionen zugrunde und generiert mithilfe sinnvoller Algorithmen mögliche Lösungen. Diese in Echtzeit entstandenen Szenarien spiegeln die tatsächlichen Ereignisse in der Realität wider. Die Lösungen können dann danach sortiert werden, wie gut sie Ihre KPIs unterstützen.

Während Steuerungssysteme Licht ins Chaos der Realität bringen, erfordert die Beseitigung dieses Chaos ein deutlich ausgefeilteres System. In den vergangenen zehn Jahren wurden riesige Fortschritte bei der Entwicklung intelligenter Optimierungstechniken für die Bewältigung von Störungen im Schienenverkehr erzielt. Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, was eine intelligente Planung und Optimierung Bahnunternehmen zu bieten hat, finden Sie hier eine kurze Abhandlung dieses komplexen Themas: Souveräne Handhabung von Störungen im Personenschienenverkehr.

Arjen Heeres

Über Arjen Heeres

Nur wenige Dinge im Leben geben mir solch eine Genugtuung wie das Aufspüren von verstecktem Optimierungspotential. Mein Interesse für diese Kombination aus Betriebswirtschaft und Technik wurde bereits während meines Studiums geweckt, wo ich die Anwendung intelligenter Technologien bei der Lösung betriebswirtschaftlicher Probleme erforschte und den Master-Abschluss in Management Science an der Universität von Groningen erlangte. 2000 wurde ich dann COO bei Quintiq. Seitdem konnte ich zahlreiche Unternehmen der verschiedensten Branchen beim Ausschöpfen ihres Optimierungspotentials unterstützen. Was für eine Ehre!

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