Was fehlt bei Ihrer Nachfrageprognose?

Demand forecasting‚Unsere Nachfrageprognose ist bereits sehr ausgefeilt. Wir besitzen jede Menge potenziell nützliche Informationen. Und nun?’

Der Supply-Chain-Verantwortliche, mit dem ich mich da gerade unterhielt, hatte nicht ganz Unrecht. Was nützen all die teuer beschafften Informationen, wenn sie sich nicht in einer flexibleren Supply-Chain niederschlagen?

Alex Niemeyer von McKinsey sprach kürzlich in einem Video-Interview (‚Picking winning supply chain technologies‛) davon, dass eine der ausschlaggebenden Technologien zur Verbesserung der Supply-Chain-Flexibilität die ‚advanced high-volatility analytics’, also eine intelligente Analyse der hohen Volatilität, sei:

Besonders wichtig ist das Thema Flexibilität… Die heutigen Supply-Chains müssen so gestaltet sein, dass starke Schwankungen jederzeit aufgefangen werden können. Das ist nichts anderes als ein Risiko – gleichzeitig ist das aber auch eine Chance zur Nutzung der sich ergebenden Vorteile, wenn ein Wettbewerber ins Straucheln gerät oder sich ein neuer Markt eröffnet. Diese Möglichkeit zu high-volatility analytics’, wenn man es so nennen mag, oder auch fast pace of change analytics’ (Analyse des schnellen Wandels) kann in manchen Branchen sehr beträchtlich sein.

Zwar teile ich die Auffassung, dass aufwendige Nachfrageprognosen und -analysen notwendig sind, bin aber der Meinung, dass sie nicht ausreichen. Viele Unternehmen haben in leistungsfähige Nachfrageprognosetools und eine zentralisierte Planung investiert. Dadurch besitzen sie eine gewisse Vorstellung davon, wie die Zukunft aussehen wird. Was ihnen jedoch fehlt, ist die Fähigkeit, Pläne zu erstellen, denen diese Prognosen zugrunde liegen, und entsprechend danach zu handeln.

Prognosen – auch jene, die mit fortschrittlichen Tools erstellt werden – sind lediglich ein Mittel zum Zweck. Das eigentliche Ziel ist eine deutlich verbesserte Supply-Chain-Flexibilität, d. h. die Fähigkeit, sich rasch auf erwartete und unerwartete Veränderungen (Demand Sensing) einzustellen sowie die erkannten Potenziale voll auszuschöpfen (Demand Shaping).

Vermuten Supply-Chain-Verantwortliche, dass es ihren Prognosen an Zugkraft mangelt, so liegen sie in vielen Fällen richtig. Um zeitnah auf eine geänderte Situation reagieren zu können, muss eine ausgefeilte Nachfragevorhersage mit einer ausgefeilten Planung einhergehen. Ein Beispiel: Wenn Ihre Prognosen darauf hindeuten, dass Sie in den kommenden Wochen deutlich größere Mengen eines bestimmten Produkts verkaufen werden, muss in Ihrer erweiterten Supply-Chain vieles geschehen. Ihre Lieferanten müssen informiert werden. Produktionskapazitäten müssen freigehalten werden. Die Logistik muss geplant werden.

Echte Flexibilität ist nur möglich, wenn Nachfragevorhersage und -planung auf allen Planungsebenen – von strategischen Entscheidungen bezüglich des Produktportfolios bis hin zu operativen Entscheidungen bezüglich der Zuweisung von Produktionskapazitäten in den nächsten 24 Stunden – miteinander verzahnt sind. Unternehmen, denen eine derartige Reaktionsfähigkeit in Fleisch und Blut übergegangen ist, besitzen einen enormen Wettbewerbsvorteil. Um nur ein Beispiel zu nennen: Durch die Integration ihrer Finanz-, Supply-Chain-Planungs- und Prognoseprozesse, wodurch eine ‚einheitliche Version der Wahrheit‛ entsteht, ist einem solchen Unternehmen eine Sales & Operations Planning (S&OP) in Echtzeit möglich. Und wie in einem aktuellen Bericht von PwC ausgeführt wurde, ‚kann eine mangelnde Integration der Finanzplanungs- und S&OP-Prozesse mit zu… [einer] verzögerten Reaktion auf sich verändernde Geschäftsbedingungen führen.’

Unternehmen, die die Nachfragevorhersage mit einer effektiven Planung und Optimierung verbinden, können sich ganz einfach ein besseres Bild von ihrem Umfeld machen. Zu wissen, dass sie in der Lage sind, Trends und Tipping-Points zu ihrem Vorteil zu nutzen, ist ein starker Anreiz dafür, den Überblick über die sich verändernden Marktbedingungen zu behalten – und von ihnen zu profitieren.

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